“Dry and wet aged” von Netto

Nachdem mein Posting auf facebook für das neue “dry and wet aged” Rindfleisch von Netto für einigen Wirbel gesorgt hat, sehe ich mich veranlasst, dem hier versprochenem “besten Steak” im wahrsten Sinne des Wortes auf den Zahn zu fühlen.

Mit diesem Prospekt von Netto fing alles an. Ich sah, las und lachte. Dry and wet aged beef – Sind da wem die Pferde im Oberstübchen durchgegangen, oder sind da gar wem die Pferde ausgegangen?



Dry oder wet? Was denn nun? “Dry aged beef” erlebt in Deutschland in den letzten Jahren einen Boom. Die trockene Fleischreifung ist eigentlich ein uraltes Verfahren aus der Zeit, da es noch keine Vakuumbeutel gab. Noch heute ist der Ausdruck “ein Stück Fleisch muss gut abgehangen sein” gebräuchlich. Fleisch braucht eben Zeit zum Reifen, erst dann wird es überhaupt genießbar. Und je länger es hängt und reift, desto panischer werden die Augen mancher Veterinäramtsmitarbeiter, aber desto glühender die Augen der Steakfanatiker. Mindestens 21 Tage sollte das Fleisch am Knochen bei kontrollierten Bedingungen reifen. Diese 21 Tage sind zumindest im Handwerk Konsens. Alles was weniger als drei Wochen reift, ist kein dry aged und schmeckt vor allem nicht wie dry aged. Die meisten Handwerksmetzger, die ich kenne, lassen es circa sechs bis acht Wochen reifen. Erst dann hat das Fleisch durch die Abtrocknung eine Geschmacksintensität erreicht, bei der man wirklich von Genusserlebnis sprechen kann. Es waren auch ebendiese Handwerksmetzger, die den Boom in Deutschland ausgelöst haben. Kurz darauf zog der Lebensmitteleinzelhandel nach, nun auch die Discounter.

Wirtschaftliche Überlegungen waren es, die das Fleisch irgendwann in die Vakuumbeutel zwängten. Dort reift das Fleisch zwar auch, aber eben nicht mehr trocken, nicht mehr am Knochen, sondern nass. In Analogie zum dry aging, nennt man diese Art der Reifung wet aging. Abtrocknungsverluste gibt es hier nicht, aber eben auch nicht die Geschmacksintensität wie beim dry aging. Die Fleischreifung setzt direkt nach der Schlachtung des Tieres ein. Üblicherweise muss das geschlachtete Tier erst einmal auskühlen und zerlegt werden, bevor es vakuumiert wird. Ein Vorgang, der beim handwerklich arbeitenden Metzger drei bis acht Tage dauern kann. Was der Netto nun also als zweistufiges Reifeverfahren verkauft, ein paar Tage trocken, dann ins Vakuum, ist nichts anderes als das, was jahrzehntelang wet aging genannt wurde. Und Netto verspricht mit dieser Art der Reifung nun “einzigartige Steak-Qualität”.

Nun bin ich also in den nächsten Netto und habe eingekauft. Ich bekam noch ein Entrecote und ein paar Minutensteaks. Das alles 30 Prozent günstiger, weil das MHD am selben Tag ablaufen sollte.

Die Verpackung ist recht aufwendig, durchaus hübsch gemacht, sogar mit einem kleinen Booklet. Im Booklet Wissenswertes über guten Geschmack und optimalen Rindfleisch-Genuss und natürlich fünf goldene Regeln zur Steakzubereitung (die ja der Steak-Gourmet, der hier angesprochen wird, ganz sicher braucht). Nett auch der Hinweis, dass man das Steak “nach alter Metzger-Tradition mindestens 10 Tage lang trocken am Knochen reifen” lässt. Industrie kopiert Handwerk – ein alter Hut. Spätestens aber beim Lesen der Lettern “Beste handwerkliche Spitzen-Qualität!” schreit das Handwerkerherz laut auf. Denn beste handwerkliche Spitzenqualität kann das gar nicht sein, weil es eben Industrieware ist. Was der Blick auf die Etiketten ganz schnell verrät:

Die Schlachtung
Die Veterinärkontrollnummer, die EU-weit auf allen Produkten tierischer Herkunft Pflicht ist, verrät den Schlachthof. Beim Entrecote ist die Nummer BY10504 EG verzeichnet. Dahinter steht der Schlachthof Südfleisch Waldkraiburg. Südfleisch gehört zu VION, einem der weltweit größten Lebensmittelkonzerne mit Hauptsitz in den Niederlanden. Bei den Minutensteaks ist die Nummer BY77128 EG verzeichnet, ein anderer Schlachthof also. Hier die Moksel GmbH in Buchloe, ebenfalls zur VION-Gruppe gehörig. Die Arbeitsbedinungen, insbesondere am Schlachthof Waldkraiburg, waren in den letzten Monaten mehrfach Thema in den Medien. Rumänische Leiharbeiter, menschenunwürde Unterbringung in Barracken, schlechte Bezahlung, unmenschliche Arbeitsbedinungen.

Die Zerlegung
Entrecote und Minutensteaks stammen aus den selben Zerlegebetrieben. Zunächst die Kontrollnummer BY77128 EG, das ist die Moksel GmbH in Buchloe, die wir eben als Schlachtbetrieb schon hatten, und als weitere Kontrollnummer ist angegeben EZ1002 EG, da sind wir dann bei der VION Convenience GmbH in Großostheim. Das Schlachtvieh aus Waldkraiburg (mein Entrecote) wird also offensichtlich nach Buchloe zu Moksel gebracht, dort wird zerlegt und die zerlegte Ware nach Großostheim gebracht. Dort wird die Ware dann weiter zerlegt, portioniert, verpackt, etikettiert und in die Welt hinaus gebracht.

Nun war ja im Prospekt davon die Rede, dass das Fleisch “nach der Schlachtung zuerst 10 Tage am Knochen in dunklen und optimal durchlüfteten Spezial-Kühlräumen reift.” Ungeachtet der Wegstrecke, die ja das Fleisch zurücklegen muss, will mir jetzt aber bitte niemand erzählen, dass es Spezial-Kühlräume für das “dry and wet aged beef” gibt. Und das Kühlräume dunkel und optimal durchlüftet sind, ist Standard. Im Prospekt ist weiter davon die Rede, dass das Fleisch “mit besonderer Sorgfalt zerlegt” wird. Das ist ja auch das Mindeste, was man von akkordarbeitenden und schlecht bezahlten Leiharbeiter erwarten darf!

Herkunft
“Ausgewähltes Rindfleisch deutscher Herkunft” heißt es. “Geburt, Aufzucht, Schlachtung und Reifung in Deutschland”. Über Rasse, Alter oder Haltungsbedingungen der Tiere erfahren wir nichts. Es ist also davon auszugehen, dass es sich hier um deutsche Jungbullen handelt, die üblicherweise mit 18 Monaten geschlachtet werden.

Klartext: Massentierhaltung, Akkordschlachtung und Akkordzerlegung in den größten Schlachthöfen und Zerlegebetrieben unserer Republik. So etwas mit “Beste handwerkliche Spitzen-Qualität” zu bewerben, ist Verbrauchertäuschung. Das hat im Jahr 2011 schon einmal ein Discounter versucht: ALDI hatte seinerzeit abgepackte Industrie-Wurstwaren mit handwerklichen Qualitätsbegriffen versehen, wogegen unser Fleischerverband erfolgreich geklagt hatte.

Und nun schmeiß ich das Fleisch endlich in die Pfanne:

Nach dem Druck auf das Fleisch ist deutlich zu erkennen, dass eine Delle zurück bleibt. Ein Zeichen dafür, dass das Fleisch gut gereift ist. Beim Minutensteak ist der Abdruck weniger deutlich, aber was soll man da auch eindrücken?

In der Pfanne zunächst einmal auffällig, wie sehr es spritzt. So eine Sauerei bin ich in meiner Küche nicht gewohnt, ist mir auch aus bisherigen Bratvorgängen nicht bekannt. Zuviel Wasser in heißes Fett? Ich hatte meine Kinder mit an den Tisch gebeten. Sie wussten nicht, dass es Testfleisch gibt. Meine beiden Kinder sind erfahrene Fleischesser, und zumindest mein zehnjähriger Sohn ein wahrer Experte. Wir testeten zuerst die Minutensteaks. Mein Sohn: “Mama, was ist das denn, das schmeckt ja nach nichts.” Danke, Sohn. Er hatte vollkommen recht. Kein Fleischgeschmack und besonders zart waren sie auch nicht. Meine Tochter ließ ihr Stück Fleisch auf dem Teller liegen. Mit dem Sohn testete ich das Entrecote. Zart und saftig war es auf jeden Fall, geschmacklich auch besser als die Minutensteaks, aber weit entfernt von dem, was ich als “das beste Steak” bezeichnen würde. Und mit dry aged hatte dieser Geschmack gar nichts zu tun. Woher auch?

Fazit: Herkömmliche industrielle Massenware wurde hier in eine hübsche Verpackung mit schönen Bildern gesteckt. Einem herkömmlichen Reifeverfahren wurde ein Qualität versprechener Name gegeben und der Preis verdoppelt. Mahlzeit!



30 Responses to “Dry and wet aged” von Netto
  1. Sabine gary

    Danke Frau Schröder für ihren fundamentalen und ehrlichen Bericht. Über das was netto mit diesem Produkt dry aged und wet aged da veranstaltet und die Verbraucher damit verdummt können wir Handwerks-Metzger und selbstschlachter nur lachen. Sollte aber eine Aufgabe für den fleischerverband sein dem Ganzen hier einhalt zu gebieten.

  2. Bertl vo Zwiesel

    danke für den bericht. ist aber für mich nicht relevant, da ich ausschließlich beim metzger kaufe. gruss bertl.

  3. Acker Michael

    Was soll man auch erwarten in einem Land in dem die Wertigkeit von Essen und Trinken sehr niedrig angesiedelt ist!

  4. Frauke Brilon

    Sandra Du sprichst mir aus der Seele.Das ist ein Vergewaltigung eines jeden Steakliebhabers.

  5. Ludger Freese

    Moin Sandra, habe Deinen Bericht mit viel wohlwollen gelesen. Du hast eine glänzende Recherche zu dem Fleisch gemacht. Ich sehe das schon im Beroch der Verbrauchertäuschung! Andere Betriebe werden wegen 20ml zu wenig in der Verpackung angeklagt, hier wird mit “Halbwahrheiten” der Verbraucher eine heile und vollkommene Welt vorgegaukelt. Wir sollten uns nicht alles gefallen lassen! Ich freue mich, dass Du das hier so offen aussprichst. Danke.

  6. Dirk Ludwig

    Wunderbar geschriebener Artikel der das Wesentliche genau auf den Punkt bringt. Auch ganz toll recherchiert. Chapeau!

  7. Sonja Barthel

    Super Artikel, genau auf den Punkt gebracht und erstklassig und umfassend recherchiert.

  8. FrauOlsen

    Danke für den tollen Artikel! Ich habe leider viel zu wenig Ahnung und wäre ganz bestimmt darauf hereingefallen (ich kaufe zwar nicht bei netfto, aber der nächste Discounter steht bestimmt schon in den Startlöchern). So werde ich in Zukunft das Fleischangebot wesentlich stärker hinterfragen.

  9. Fander Michael

    Einen tollen Artikel haben Sie geschrieben mit viel Hintergrundwissen und viel Arbeit . Ist im Gespräch für Kunden und Verkäufer eine gute Hilfe. Ich kann uns allen Wünschen wenn mehr sollche Artikel auch an den Endverbraucher
    gelangen.

  10. 0815markus

    Hallo Sandra!
    Ich hätte fast “well-done” geschrieben -danke für die tolle Recherche. Schade, dass die Industrie den tollen Gedanken des dry-aging aufgreift und aus Profitgier ad absurdum führt.

    Wer jetzt noch keinen Grund hat, seine Steaks nicht bei Netto zu kaufen, dem ist auch nicht mehr zu helfen…

    Gruß
    Markus

  11. Bernhard H.

    In einem solchen Laden kauft man grundsätzlich kein Fleisch. Weder bei ALDI, LIDL oder sonst einem Discounter. Gute Qualität und große Mengen passen einfach nicht zusammen. Von den Arbeitsbedingungen in den Schlacht- und Zerlegebetrieben wollen wir jetzt mal gar nicht reden. Danke für den Bericht.

  12. Marta Nierada

    Hallo Frau Schröder,

    vielen Dank für Ihren Bericht! Ich find’s klasse, wie Sie sich für Handwerksbetriebe in der Fleischbranche einsetzen. Ich arbeite selber als freiberufliche Beraterin für die Fleischerei Hoppe aus Hänigsen: auch hier setzt man noch auf eigene Schlachtung und hausgemachte Rezepturen, die Tiere stammen direkt aus der Region: http://www.fleischerei-hoppe.de/. Ihren Blog werde ich jetzt definitiv regelmäßig besuchen :-)

    Viele Grüße,
    Marta Nierada

  13. HerrBinner

    Ich finde es absolut grenzwertig, Kinder als “Tester” für solchen Industriemüll zu missbrauchen, grade Kindern sollte man – wenn überhaupt – nur Fleisch aus kontrollierer biologischer Erzeugung zum Essen reichen oder einfach ein gutes Gemüsegericht.

  14. Gunther Hornung

    Hallo Frau Schröder,
    Super Bericht. Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Gutes und ehrliches Fleisch kauft man beim Metzger seines
    Vertrauens.

  15. Gunther Kühle

    Hallo Frau Schröder,
    vielen Dank für den sehr guten Artikel. Vor allem die umfangreiche Recherche sollte auch den größten Discounterfan nachdenklich stimmen. Schön, dass die Fangemeinde für Top-Fleisch vom Metzger stetig wächst.

  16. Phil

    Das Dumme ist, dass wir in unserer Republik nach meiner Schätzung etwas mehr als 40 Millionen Einkommensbezieher (allein über 10 Mio. Rentner mit max. 700€ im Monat, Arbeitslosengeld- / SGB II-Bezieher, Geringverdiener bis 1300 €, Unterbeschäftigte etc. pp..) haben, die auf den Cent gucken müssen. In meinem Stadtteil von Hanau mit knapp 13.000 Einwohnern gab es bis vor 10 Jahren etwa 12 Metzgereien – heute sind es es nur noch 3 (und keine größeren “Filialisten” mit mehr als 3 Standorten). Mein letzter Lieblingsmetzger hat Anfang des Jahres dicht gemacht, weil ihn die Kosten für Umlagen (Strom, Wasser etc. für Kühlung, Schlachthaus, E-Geräte aller Art etc.) inzwischen fast 2.000 Euro im Monat kosteten. Jetzt jobbt er als Musiker und Gelegenheitsjobber und macht nebenher noch ein bissi Dosenwurst für den lokalen Marktverkauf am WE.. Personalkosten / Miete waren nicht das Problem, aber auch der Einkauf von biologisch unbedenklichem Fleisch aus der Region (mit dem er lange überlegte), rentierte sich nicht mehr, weil eben jene Erzeuger mit der Nebenkostenexplosion zu kämpfen haben und zwangsläufig immer teurer wurden, was letztendlich der Verbraucher bzw. der “kleine Metzger” im EK zu zahlen hat.

    Der kleinere Fleischereibetrieb kann nicht von 7-22 uhr geöffnet haben – die zusätzlichen Kosten würden zu einer weiteren Verteuerung führen. Diejenigen rund 22 Mio. Verdiener, die nicht zu den eingangs erwähnten monetär Schwachen zählen, schuften meist hart und lang für ihr Geld und gehen oft erst spät einkaufen. Weil sie eben spät von der Arbeit kommen und der kleine Metzger dann schon zu hat. Oder zu teuer ist oder man keine Zeit hat, Umwege zu fahren. Da ist es halt bequemer, einfacher und zeitsparender, alles vom Discounter / Supermarkt …. zu kaufen. Und das eigene Gewissen des “Besserverdienenden” ist auch beruhigt, weil da ja oft “Bio” drauf steht. Oder dry / wet aged, was sich für den kochenden Laien ja toll anhört.

    Das Problem ist das System in unserem Staat und das habt ihr fast alle vorletztes Wochenende ja wiedergewählt. Es gab genügend Alternativen jenseits von rechts, aber lieber systemimmanent bleiben und zufrieden mit jenem sein, was man (noch) hat, anstatt seinen Arsch zu bewegen um eben etwas zu bewegen. Da kann der traditionelle Handwerksbetrieb nix dazu, der ist letztlich genauso im Arsch wie so viele Deutsche. Aber meckern ist ja einfacher als was zu machen.

    Und – Sandra – Hut ab für jene Lanze, die Du und Deine Familie brechen!

  17. Phil

    “überlebte” – nicht überlegte

  18. Alfred Pradel

    Der Bericht trifft den Nagel auf den Kopf. Allerdings erstaunt es mich mittlerweile nicht mehr, wie sich der deutsche Verbraucher an sich im wahrsten Sinne des Wortes ohne einen Ansatz von Gegenwehr täuschen, belügen und betrügen lässt. Vielleicht geht es ja dann nach dem Motto: “Jeder bekommt das, was er verdient.” Uraltes Handwerk verkommt auf dem Altar des Billigen, des Wertlosen, der Ausbeutung von Mensch und Tier. Schade drum, und ich hoffe inständig, dass mir für den Rest meines Lebens der Metzger und der Bäcker des Vertrauens und der handwerklichen Kunst erhalten bleibt. Ohne Teiglinge aus der Ukraine und ohne Massenmastochse.

  19. Datuk

    Hallo Frau Schröder.
    auf unserer Webseite habe ich mir erlaubt einen Link, versehen mit einer kurzen Einleitung zu/von ihrem Artikel zu machen. Sehen sie hier:
    http://klickmal.com/CK/index.php?page=Thread&postID=16691#post16691
    Ich denke es ist notwendig solche Dinge dem Verbraucher “aller Orten” vor Auge zu führen.
    Vielen für den sehr guten Artikel.
    Datuk

  20. Bernd

    Hallo,
    ich erlaube mir einfach mal Sandra zu sagen!

    Sehr gut recherchiert , sehr gut und verständlich zu Papier gebracht, denn nur so
    verstehen die Leute, der geneigte Leser was man eigentlich meint. In unserer
    Zeit soll und muß immer alles mit einem Satz ausgedrückt sein, damit verstanden wird. Mit manchem geht das eben nicht, eine Aussage so auf den Punkt zu bringen, da braucht es schon etwas mehr an Information und Erkärung.
    Das ist dir wunderbar gelungen.

    Auch ich ( gelernter Metzger, Koch, Gastronom) schreibe permanent in meinem Blog http://heutegibts.wordpress.com dagegen an. Muß aber auch sagen daß vielen an Informationen zum Thema Dry Aged interessiert sind, das zeigen die Klickzahlen die dieses Thema im Blog verzeichnet.

    Mich befällt tiefe Sorge was dieses jahrhunderte alte Handwerk des Metzgers, der Fleischer betrifft. Wir gehen auch hier einer schlimmen „Verarmung“ an Wissen, Können, Erfahrung und vor allem an Qualität entgegen, bzw sind ja eigentlich schon mitten drin.

    Ich komme aus Würzburg, als ich 1963/66 Metzger lernte, gab es 144 Metzgereien, also in jeder Straße eine, es gab einen Schlachthof mit Viehmarkt in dem das regionale Vieh angeboten wurde.
    Und Schlachthof gibt es auch längst keinen mehr.
    In Notzeiten müßte die Bevökerung verhungern….

    Heute gibt es nur noch 6 Metzgereien mit angeschlossener Werkstatt und Herstellung die also noch selber „wursteln“!
    In Worten 6 Metzger noch !
    Und eine Hand voll Filialisten mit auswärtiger Produktion.
    Welch eine Verarmung der Vielfalt bereits jetzt !

    Mein Schwager war bis vor paar Jahren Innungsmeister In Wiesbaden. Vor Jahren fragte ich ihn einmal wieviele denn Metzger dort lernen würden :
    seine Antwort 3 in Worten:
    drei in Wiebaden und dem gesamten Umland.
    Man habe dort seit Jahren keine Berufsschule für diesen Beruf mehr.
    Auszubildende/Lehrlinge aus ganz Hessen fahren nach Frankfurt, dort werden alle zusammengefast und es gibt es eine einzige Klasse an Nachwuchs.
    Eine kleine Klasse für ganz Hessen!
    Ist das nicht schlimm?

    Rechnet man die natürliche Abwanderung weg, dann bleibt an Nachwuchs eine Hand voll Metzger für ganz Hessen. Damit ist der Weg vorgezeichnet wo wir in Zukunft unser Fleisch werden kaufen müssen. Beim Metzger zumindest nicht. Und unsere Wurst?
    Wer soll die in Zukunft machen?

    Schon heute hören mir jüngere Fachleute zu, als käme ich von einer anderen Welt, einem anderen Stern, wenn ich erzähle wie wir Metzger zu meiner Lehrzeit noch Fleisch reifen ließen. Sie kennen das schon Jahrzehnte nicht mehr, in Zeiten in denen Fleisch bereits nach 3 Tagen von einer Industrie ausgebeint, zugeschnitten und in Folie geschweißt wird.

    Mein Kompliment, mach weiter , Sandra
    auch ich tue das, wann immer ich kann. Wir können nur aufklären, mahnen.

    Schönen Tag allen die vorzügliche handwerkliche Qualität lieben!
    Bernd Nippert

  21. [...] http://sandraschroeder.de/dry-and-wet-aged-von-netto/ [...]... heutegibts.wordpress.de/2013/10/04/dry-aged-wed-aged-fleischreifung
  22. [...] Zum Abschluss kommt der wahre Beef. Ich glaube, die Szene ist nicht sonderlich groß, aber es existieren... disguisedasforkandknifes.wordpress.de/2013/10/05/gabelbissen-i
  23. Sandra Schröder

    @Sabine Gary: Vielen Dank, Frau Gary. Eigentlich ist es aber nicht wirklich zum Lachen, oder? Die Handwerksmetzger leiden ja genug darunter, dass viele Verbraucher den schönen Etiketten Glauben schenken. Der Fleischerverband ist gut und wichtig, aber, ich glaube, vieles haben wir auch selber in der Hand. Die massenhafte Verbreitung dieses Artikels in den sozialen Netzwerken, hat gezeigt, wie hoch die Sensibilität für dieses Thema ist, und dass wir hier die Verbraucher sehr wohl aufklären können, vielleicht viel besser als der Verband es könnte.
    @Bertl vo Zwiesel: Der Dank gilt Ihnen, Herr Zwiesel, dafür, dass Sie ausschließlich beim Metzger einkaufen.
    @Acker Michael: Sehr richtig. Das ist viel Arbeit, dass wieder zu korrigieren.
    @Frauke Brilon: Danke, Frauke. Wer Steaks liebt, macht hoffentlich einen Bogen um derartige Angebote.
    @Ludger Freese: Danke, Ludger. Für mich ist das auch Verbrauchertäuschung, ganz klar. Und wenn meine Worte was bewirken, freut es mich doppelt.
    @Dirk Ludwig: Danke für das Lob, Herr Ludwig.
    @Sonja Barthel: Danke, Frau Barthel, auch für den freundlichen Hinweis auf facebook.
    @FrauOlsen: Geh zum Metzger, liebe Sabine. Da schaust du in ein freundliches Gesicht und kannst fragen, wo das Fleisch herkommt und wie es gereift wurde.
    @Fander Michael: Ich werde tun, was ich kann, Herr Fander, noch mehr solcher Artikel zu schreiben.
    @0815markus: Die Industrie kann es ja nicht lassen, mit handwerklichen Qualitätsbegriffen zu werben. Das geht schon seit Jahren so. Immerhin scheint selbst die Industrie zu wissen, was wirkliche Qualität ist und wo und wie sie zu bekommen ist.
    @Berhard H.: Sie haben absolut recht, aber leider scheint es noch genug Menschen zu geben, die in den Discountern ihr Fleisch kaufen.
    @Marta Nierada: Vielen Dank, Frau Nierada, und auch Ihnen weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Arbeit. Solche Betriebe dürfen nicht aussterben.
    @HerrBinner: Keine Sorge, Herr Binner, meine Kinder bekommen so viel hochwertige Nahrungsmittel (insbesondere erstklassiges Fleisch), dass ich diesen kleinen Test durchaus verantworten kann. Und sie haben es ja fast nicht gegessen, eben weil sie einen so geschulten Gaumen haben.
    @Gunther Hornung: Genau so ist es, Herr Hornung. Fleischkauf ist Vertrauenssache.
    @Gunther Kühle: Danke, Herr Kühle. Wenn ich jetzt zynisch sein wollte, würde ich behaupten, Discounterfan (in Sachen Fleisch) sein und Nachdenken passt nicht wirklich zusammen.
    @Phil: Jeden Tag muss ein Fleischerfachgeschäft in unserer Republik schließen. Vielen ergeht es so, wie Deinem Lieblingsmetzger. Du hast die Problematik sehr gut beschrieben.
    @Alfred Pradel: Eine vorbildliche Einstellung, Herr Pradel. Ich wünsche eigentlich jedem einen Metzger und einen Bäcker des Vertrauens.
    @Datuk: Vielen Dank, Datuk, für das Verlinken. Interessantes Forum. Gefällt mir.
    @Bernd: Vielen Dank für Deine ausführlichen Schilderungen und Deine Unterstützung. Ich habe selber lange Jahre in Wiesbaden gewohnt und bin dort fast zur Vegetarierin geworden. Es ist wahrlich ein Trauerspiel, was allerorten passiert. Aber es sollte kein Grund sein, dem tatenlos zuzusehen. Wir können die Dinge ändern.

  24. Erich Bärenbold

    Hallo Sandra, es ist ein sehr guter Bericht über das Dry Age.
    Ich finde es super dass Du diese Recherche machst, jedoch hat mich aus meinem Umfeld noch keiner über diese Thema angesprochen, die wenigsten trauen sich darüber zu diskutieren bzw. zu reden,dass Sie mit Ihrem Einkauf beim Discounter sämtliche Werte gegenüber den kleinen Bauern und Metzgern untergraben.
    Ich freue mich dafür umso mehr so tolle Berichte von Dir zu lesen. Danke ! Nette Grüße Erich

  25. Sascha R.

    Hallo Frau Schröder,

    vielen Dank dafür, das Sie meine Meinung über billiges Fleisch aus dem Discounter bestätigen. Ich bin ein bekennender Fleischesser, der sich auch von Vegetariern nicht zu einem Verzicht bekehren lässt. Wir beziehen unser Fleisch fast zur Gänze von einer sehr guten Metzgerei aus Tübingen, welche ihr Fleisch aus der direkten Umgebung bezieht. Natürlich liegt der Kilopreis dort um einiges höher als bei Aldi, Lidl und Co., aber dafür gibt es bei uns eben weniger Fleisch in der Woche.

    Bereits vor ein paar Wochen ist eine große Marktkette (die mit den 4 großen Buchstaben) auf den Dry Aging Zug aufgesprungen. Bei unserem hiesigen Markt habe ich mir dann mal das beworbende Dry Aged T-Bone Steak angeschaut, was preislich bei 50€/kg lag. In meinen Augen schon eine absolute Frechheit. Bei meinem Metzger zahle ich 42€/kg für bestes Fleisch. Bei R*** konnte man mir weder Rasse, noch Herkunft oder Schlachtort des Tieres nennen. Es wurde lediglich gesagt das es aus der EU kommt, mehr wisse man nicht… Danke nein, da bleibe ich meinem Metzger des Vertrauens treu…

    Vielen Dank für Ihren Bericht, ich freue mich auf weitere aus Ihrer Feder!

    Mit freundlichen Grüßen,
    Sascha R.

  26. [...]        Auf jeden Fall das lesen :  http://sandraschroeder.de/dry-and-wet-aged-von-netto/ Versenden ... heutegibts.wordpress.de/2013/10/12/fragen-nichts-wie-fragen-13
  27. Willi

    Hallo,
    hat irgend jemand von Euch die Dry Aged Steaks bei
    Netto gekauft und gekostet ?
    Weiß jemand weches Rohmaterial dahinter steckt ?
    Einmal verurteilen wir den Discounter weil er zu ” billig ” verramscht , jetzt beschweren wir uns das er zu teuer verkauft ?
    Jeder sollte da Fleisch kaufen wo er für sich selber das beste Vertrauen wieder findet , beim Metzger neben an oder einer anderen Einkaufsstätte seiner Wahl.

    Oben schreibt jemand das jeder der beim Discounter kauft den Landwirten Ihre Werte untergräbt ?
    Ja, hallo woher ist das Fleisch von Discounter vom nicht vom Landwirt ?

    lg
    Willi

  28. Wolfgang

    Danke toller Bericht leider haben die Menschen von heute
    kein Interesse an HOCHWERTIGEM Fleisch sowie Wurstwaren vom Handwerk .Die Fleischerverbände und METZGEREIEN haben große Mitschuld der Beruf hat einen schlechten RUF. Schlechte Bezahlung harte Arbeit wenig Anerkennung.

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Mein Name ist Sandra Schröder. Ich bin Journalistin mit dem Schwerpunkt Fleischerhandwerk. Hier schreibe über alles, was ich in der kunterbunten Welt des Fleischerhandwerks erlebe und schaue dabei gerne über den Tellerrand. Begleiten Sie mich an den reicht gedeckten Tisch. Die Themen sind so vielfältig wie das Handwerk selbst. Wenn Sie mitreden möchten, nutzen Sie die Kommentarfunktion. Wenn Sie Themenvorschläge haben oder Ihre eigene Geschichte hier lesen wollen – nehmen Sie gerne Kontakt mit mir auf.

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