Kasalla hinter der Wursttheke

Doris Siegle ist eine der Spitzenfachkräfte im Fleischerhandwerk. Sie ist Geschäftsführerin der Helmut Siegle GmbH in Bietigheim-Bissingen. Sie ist Unternehmerfrau im Handwerk, sie ist Ausbilderin, sie ist Coach, sie ist Ideengeberin und unermüdlicher Motivator für ihre Mitarbeiter. Und mit Leidenschaft, Herz und viel Sachverstand verkauft sie Wurst. Genau das meinte nun ein Thorsten Legat als Waffe im Kampf gegen Dschungelgenossin Helena Fürst einsetzen zu müssen.

Hier kann wer tapfer genug ist die 13. Folge der 10. Staffel Duschungelcamp anschauen: “Das Theater des Wahnsinns steuert auf den finalen Akt zu.” Am Ende des ersten Kapitels spricht Ex-Fußballprofi und Rüpelstar Legat die folgenreiche Worte: „Wenn Du es mir jetzt nicht gesagt hättest, dass sie RTL-Moderatorin ist, ja dann hätte ich gesagt, sie würde irgendwo hinter der Theke stehen und verkauft Wurst.“

Und was macht Doris Siegle? Auf Facebook veröffentlicht die Unternehmerin, die seit 30 Jahren Fachkräfte ausbildet, folgenden Aufruf:

“Ich kenne diese Sendung “Dschungelcamp” nicht wirklich. Doch was ich gestern beim Umschalten gesehen und gehört habe, hat mich wirklich empört! Herr Legat (oder wie dieser Herr auch richtig heißen mag) “beschimpft” anscheinend eine gewisse “Helena” frei formuliert folgendermaßen: “Bei der glaubt man nicht, dass sie eine RTL-Moderatorin war. Die könnte genauso gut hinter der Theke stehen und Wurst verkaufen!”
Dazu möchte ich dem Herrn folgendes mitteilen: Sehr geehrter Herr Legat (o.ä.). Sehr gerne lade ich Sie dazu ein, bei mir in unserem Fleischerfachgeschäft zusammen mit meiner jetzigen Auszubildenden die letzten 6 Monate ihrer Ausbildung (die sie im übrigen mit einem ganzen Jahr Ausbildungszeitverkürzung mit Auszeichnung ablegen wird) zu absolvieren. Wenn Sie sich anstrengen und vielleicht doch etwas mehr Verstand in der Birne haben, als ich bei Ihnen erkennen kann, kann es unter Umständen sein, dass ich Ihnen ein Mindestmaß an Umgangsformen beibringen kann. Was jedoch deutlich mehr Intelligenz braucht als 90 Minuten hinter einem Ball her zu rennen, ist die Tatsache, dass Sie sich sehr viel Wissen in Chemie, Biologie, Biochemie, Ernährung und Kochen, BWL, Kommunikation sowie extrem viel Kreativität, handwerkliches Geschick und Feinfühligkeit aneignen müssten. DAS allerdings würde bei Ihnen als erstem meiner “Auszubildenden” die erste echte pädagogische Herausforderung für mich in dreißig Jahren darstellen.
Denn normalerweise lasse ich in MEINEM Laden hinter meiner Theke nur Menschen mit Niveau, Intelligenz und Bildung “Wurst verkaufen”. Ich bin mir sicher, schon nach vier Wochen “in Ausbildung zur Fleischereifachverkäuferin” würden Sie sich nach dem “einfachen Leben” eines Möchtegern-Superstars zurücksehnen. DAS wäre doch eine WAHRE Herausforderung für einen Superhelden wie Sie, oder nicht?! Das Angebot gilt – wenn Sie sich trauen! Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung mit den üblichen Bewerbungsunterlagen!”

Der Beitrag wird zigfach geteilt. Viele Kunden stehen Ihrer Wurstverkäuferin bei und Kollegen aus der ganzen Republik zeigen sich mit ihr empört. Natürlich landet der Text auch auf der Profilseite von Thorsten Legat.

Der jedoch scheint noch nicht die Traute zu haben, sich ins Siegle-Trainingslager zu begeben. Dschungelkönig ist er nicht geworden, aber nun hätte er noch die Chance der König der Wurstverkäufer zu werden.

Convenience Food – das Rotlichtmilieu der Köche und Metzger

Die Branche boomt und die Umsätze steigen seit Jahren – fragt man allerdings nach, erntet man nur heftiges Kopfschütteln. Nein, kein Koch, kein Metzger, kein Bäcker setzt Convenience Food ein. Eher würden sie zugeben, sich schon mal im Rotlichtmilieu einer Großstadt vergnügt zu haben, als dass sie den Einsatz von vorgefertigten Produkten in ihren Küchen oder Backstuben offenbaren. Zu schlecht ist das Image dieser halbfertig oder fertig zubereiteten Speisen, und zu wertvoll das Vertrauen, das man verlieren kann, wo doch der Gast denkt, es ist alles hausgemacht.

In einer Welt, in der alles immer schneller gehen muss, ist Convenience Food das Gebot der Stunde. Es geht nicht ohne. Nirgends. Die Bequemlichkeit siegt. Das Leben soll einfacher werden, doch in Wahrheit sind wir auf dem besten Weg, es endlos zu komplizieren. Die Herausforderungen in der Lebensmittelbranche waren nie größer als heute. Denn der Kunde will sein Essen schnell, er will es gesund, er will es ethisch vertretbar, er will es bezahlbar und er will alles zu jeder Zeit.

Wer glaubt schon an Liebe
Dabei könnte es so einfach sein: Der Metzger schlachtet sein Vieh, macht seine Wurst und verkauft sein Fleisch. Der Bäcker nimmt Mehl, Wasser und Hefe und backt sein Brot. Der Koch kauft beim Bäcker und Metzger und Gemüsehändler ein und kocht ein leckeres Essen. Der Kunde und Gast genießt und alle sind glücklich. Kleine Wirtschaftskreisläufe, glückliche Handwerker, überall Liebe und Leidenschaft, heile Welt – eine Utopie vergangener Zeiten. Eigentlich glaubt längst keiner mehr dran. Und dennoch: Das Marketing der Lebensmittelbranche bedient genau diese Utopie. Keiner glaubt dran und es funktioniert doch. An die Liebe im Rotlichtmilieu glaubt ja auch keiner. Und dennoch.
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Der Fleischerverband und sein Facebook-Desaster

Fleisch und Wurst wird von der WHO als krebserregend eingestuft. Wie reagieren eigentlich der Deutsche Fleischerverband in Frankfurt und die diversen Landesverbände und Innungen auf ihren Facebook-Seiten auf diese Nachricht? Ein Überblick am 28. Oktober 2015:

Das Fleischerhandwerk
www.facebook.com/DasFleischerhandwerk
Seitenbetreiber ist der Deutsche Fleischerverband in Frankfurt, verantwortlich für den Inhalt deren Hauptgeschäftsführer Dipl.-Kfm. Martin Fuchs. Letztes Posting von 5. Oktober. Man informiert, dass die Nachwuchsseite des Fleischerhandwerks am Wettbewerb “Handwerkerseite des Jahres” teil nimmt.

Deutscher Fleischer-Verband
www.facebook.com/fleischerverband
Seitenbetreiber ist der Deutsche Fleischerverband in Frankfurt, verantwortlich für den Inhalt deren Hauptgeschäftsführer Dipl.-Kfm. Martin Fuchs. Letztes Posting vom 21. Oktober. Man hinterfragt den Sinn oder Unsinn von Qualitätswettbewerben.
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Auf ein Wort, liebe Metzger! (2)

Die vergangenen Tage waren bewegte Tage. Mein Blogbeitrag “Auf ein Wort, liebe Metzger! (1)” hat insbesondere auf Facebook zu einer Diskussion geführt, die auf erschreckende Weise offenbarte, was ich verurteilt habe. Eine Diskussionen getrieben von Missgunst und Misstrauen zwischen Menschen, die sich im realen Leben noch nie begegnet sind. Interessant auch, was dort alles hinein interpretiert wurde. Für Außenstehende vielleicht schwer nachzuvollziehen und lediglich mit einem #allebekloppt zu kennzeichnen, ist es jedoch für Beteiligte eine scheinbar willkommene Gelegenheit gewesen, ihre übliche Rolle zu spielen.

Nachdem der Applaus, der mir aus vielen Richtungen zugesprochen wurde, abgeebbt war, kam heute der leise Vorwurf, ich hätte das ja vorausgesehen, das wäre ja alles Berechnung gewesen. Ich freue mich immer, wenn man mich für genialer hält, als ich tatsächlich bin. In diesem speziellen Fall muss ich allerdings gestehen: Natürlich hab ich das vorausgesehen. Es war ziemlich klar, welche Figuren wann auf der Bühne erscheinen. Ich gestehe allerdings auch: Es braucht alles, aber keine Genialität dazu, das System zu durchschauen und die Protagonisten zu steuern. Man braucht lediglich einen festen Glauben an die Dämlichkeit der Menschheit. Und was ich kann, tun andere schon lange.
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Auf ein Wort, liebe Metzger! (1)

Ich bin freiberufliche Journalistin. Ich schreibe über und für das Fleischerhandwerk. Letzteres kann gerne PR genannt werden. Kooperationen mit anderen Unternehmen, Unternehmensberatern, Ladenbaufirmen, Gewürzfirmen oder dergleichen bestehen nicht.

Ich bin in keiner einzigen Facebook-Gruppe mehr aktiv, die auch nur annähernd etwas mit dem Fleischerhandwerk zu tun hat. Alle Administrator-Funktionen, die ich je in einer Facebook-Gruppe hatte, habe ich bereits 2014 abgegeben. Ich war niemals in den Sozialen Netzwerken mit einem Fakeaccount unterwegs oder habe mir Zugang zu irgendwelchen Gruppen über fremde Accounts verschafft.

Ich distanziere mich von diesem ganzen elenden Morast, von den Intrigen und Hässlichkeiten, denen ich – und das darf man mir wirklich zur Last legen – zu lange zugeschaut habe, dessen tatsächliches Ausmaß mir allerdings heute erst bekannt ist.

Diese Branche ist so durchzogen von dubiosen Geschäftspraktiken, dass es mich gruselt. Das Fleischerhandwerk geht unter. Ein Laden nach dem anderen schließt. Der Verband verliert seine Mitglieder und hat keinen Rückhalt in der Basis mehr. Ein jeder auf diesem sinkenden Schiff versucht noch einen der wenigen Plätze in den Rettungsbooten zu bekommen. Rettungsboote, die vielleicht gar keine sind. Achtet auf die, die den Weg weisen.

Ich bin Journalistin. Ich schreibe über das Fleischerhandwerk. Und das wird jetzt leider alles andere als PR. Fortsetzung folgt.

Ist das Geschäft auch noch so klein…

Fleischermeister Sten Höhl rühmt sich, die kleinste Metzgerei Deutschlands zu haben. Im sächsischen Brandis, kurz hinter Leipzig, nennt er drei Meter Theke sein Eigen. Und diese drei Meter Theke sind sein Leben, damit ernährt er seine Familie und damit macht er eine stetig wachsende Zahl von Kunden glücklich. Denn was in diese Theke rein kommt, trägt ausnahmslos das Markenzeichen HÖHL.

Doch es war alles mal ganz anders. Die Fleischerei Höhl war einst ein Unternehmen mit über einer Millionen Jahresumsatz, ein Fleischhandel. Die kleine Metzgerei in der Leipziger Straße eher Nebensache. Der Junior zerlegt wie am Fließband und fährt auch noch die Ware aus, arbeitet von morgens bis abends. Als der junge Meister dann 2011 den Betrieb übernimmt, stellt er alles auf den Kopf. Die erste Aktion des neuen Betriebsinhabers lautet: Abschaffung des Großhandels. „Ich bin mit Leib und Seele Fleischer und kein Fließbandzerleger und schon gar kein Fahrer“, sagt er von sich.
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Herzlich willkommen!

Mein Name ist Sandra Schröder. Ich bin Journalistin mit dem Schwerpunkt Fleischerhandwerk. Hier schreibe über alles, was ich in der kunterbunten Welt des Fleischerhandwerks erlebe und schaue dabei gerne über den Tellerrand. Begleiten Sie mich an den reicht gedeckten Tisch. Die Themen sind so vielfältig wie das Handwerk selbst. Wenn Sie mitreden möchten, nutzen Sie die Kommentarfunktion. Wenn Sie Themenvorschläge haben oder Ihre eigene Geschichte hier lesen wollen – nehmen Sie gerne Kontakt mit mir auf.

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